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Keynotes

Eine Frage der Erwartungen? Eine kommunikationswissenschaftliche Perspektive auf Qualitätsbewertungen

Prof. Dr. Monika Taddicken

 

In der kommunikationswissenschaftlichen Forschung hat sich die Annahme eines ‚aktiven Publikums‘ etabliert. Mit Bezug zu den Medien hat sich das frühere Paradigma „Was machen die Medien mit den Menschen?“ gewandelt zu „Was machen die Menschen mit den Medien?“. Damit geht ein gesteigertes Interesse am Publikum einher: Was nutzt es wann und wie, aus welchen Motivationen heraus und mit welchen Vorstellungen? Die Annahme des ‚aktiven Publikums‘ lässt sich aber nicht nur auf die Nutzung von öffentlicher Kommunikation beziehen, sondern kann durchaus auch darüber hinaus adaptiert werden. So spielen die Bedürfnisse und Vorstellungen der Menschen auch bei der Evaluation und der Rezeption ihrer Ergebnisse eine wichtige Rolle.

Die Keynote wird insbesondere auf die Erwartungen des Publikums bzw. der Nutzenden eingehen und im Hinblick auf den Kontext Evaluation diskutieren. Erwartungen an (mediale) Angebote sind bedeutsam, da sie bei der Bildung von Qualitätsbewertungen zum Abgleich herangezogen werden. Diese wiederum beeinflussen zukünftige Erwartungen, Nutzungsprozesse und Bewertungen. Anhand von Forschung zu Evaluationen in der Wissenschaftskommunikation wird die Multidimensionalität von Qualitätsbewertungen des Publikums bzw. der Nutzenden aufgezeigt.

 


 

Monika Taddicken ist Professorin für Kommunikationswissenschaft an der Technischen Universität Braunschweig, Deutschland. Ihre Forschungsschwerpunkte bilden Wissenschaftskommunikation und digitale Kommunikation, insbesondere soziale Medien, mit besonderem Fokus auf die Publikumsperspektive. Sie arbeitet grundlegend sowie in Austausch mit der praktischen Wissenschaftskommunikation. Ein Beispiel dafür ist das aktuelle Forschungsprojekt „ScoPE - Science Communication & Public Engagement: Researching Dialogue-Oriented Formatsunikation“ (https://www.tu-braunschweig.de/ifkw/projekte/scope).

Zuletzt geändert: 28. August 2020

Plädoyer für eine konsistente Fachsprache der Evaluation

Prof. Dr. Wolfgang Beywl

Eine orientierende Terminologie stärkt Fachkommunikation, systematische Aus- und Weiterbildung sowie Wissensorganisation wissenschaftlicher Professionen. Eine konsistente und theoretisch reflektierte Fachsprache der Evaluation kann zu ihrer Reputation auch gegenüber anderen Wissenschaften und Professionen beitragen. Sie hilft, Nutzenpotentiale und Funktionen der Evaluation genauer zu klären. Für die je zielgruppengerecht zu gestaltende Kommunikation mit Beteiligten und Betroffenen sowie der Öffentlichkeit bietet sie eine Bezugsbasis. Die Effizienz von Evaluationen kann erhöht werden, in der Kommunikation innerhalb des Evaluationsteams, in Angeboten und Berichten. Die Hervorbringung gültiger Ergebnisse und nachvollziehbarer Bewertungen, damit die Genauigkeit und Fairness von Evaluationen, wird gefördert. Seit der Erstfassung der Evaluationsstandards nutzen DeGEval-Dokumente ein geklärtes begriffliches Grundgerüst. Dieses ist evaluationstheoretisch inspiriert, etwa durch nach Evaluationsgegenstand (z. B. « Ziel») und Evaluation selbst (z. B. «Zweck») unterschiedenen Wortverwendungen. Die Keynote plädiert für weitergehende Systematisierung und Normierung der Evaluationsfachsprache. Mehrdeutigkeiten sollen beseitigt und Beziehungen zwischen Begriffen expliziert werden. Am Beispiel des seit 2000 aufgebauten «Glossar der Evaluation» werden Möglichkeiten eines kontrollierten Vokabulars verdeutlicht. Mit fortschreitender Digitalisierung ergeben sich für ein darauf aufbauendes Wissensorganisationssystem der Evaluation neue Potentiale und Instrumentarien.

 


 

Prof. Dr. Wolfgang Beywl arbeitet als Seniorprofessor an der Pädagogischen Hochschule FHNW. Er ist wissenschaftlicher Leiter von Univation, Institut für Evaluation, Köln. Er war acht Jahre Mitglied im Gründungsvorstand der DeGEval, leitete die Arbeitsgruppe für die Erstfassung der Evaluationsstandards und in den Jahren 2004–2010 das erste deutschsprachige wissenschaftliche Weiterbildungsprogramm in Evaluation an der Universität Bern. Buchveröffentlichungen u.a. Handbuch der Evaluationsstandards und Evaluation – ein systematisches Handbuch (beide mit Thomas Widmer) sowie evaluiert – erweitertes Planungsbuch für Evaluationen im Bildungsbereich (mit Lars Balzer).

Zuletzt geändert: 28. Juli 2020