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Münster 2021

24. Jahrestagung der DeGEval

Wandel durch Evaluation und Wandel der Evaluation

24. Jahrestagung 2021 der DeGEval – Gesellschaft für Evaluation e. V.
vom 15. bis 17. September 2021 in Münster
Lokale Organisation: Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) Münster

 

„Wir leben in Zeiten eines beschleunigten und fast sämtliche Bereiche unseres Lebens berührenden gesellschaftlichen Wandels“, so lautet eine derzeit häufig gestellte Diagnose, die angesichts der gefühlten Häufung von Krisen und Umwälzungen von globaler und gesamtgesellschaftlicher Reichweite durchaus nachvollziehbar erscheint. Die sogenannten Megatrends Globalisierung, Klimawandel, Digitalisierung, soziale Ungleichheit und Demografischer Wandel bedingen Veränderungsprozesse, die für Evaluationen wichtige Kontextfaktoren darstellen. Insbesondere bei akut aufflammenden und dynamisch-beschleunigten Entwicklungen stellt sich für die Evaluation die Frage nach ihrer Rolle als „change agent“, also als Moderatorin und Gestalterin im Wandel und des Wandels:

Versteht sie sich grundsätzlich als distanziert beobachtende Instanz, die ihre Aufgabe darin sieht, öffentliches Handeln vor allem begleitend und rückblickend zu bewerten, um erst auf Nachfrage in der Rückkopplung wieder Einfluss auf das Geschehen zu nehmen? Oder sieht sie sich in einer proaktiveren Rolle und unterstützt Wandel, indem sie aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen explizit adressiert? Sollte sie also ihre besonderen Kenntnisse und Erfahrungen aus der Analyse früherer Maßnahmen sowie ihre daraus resultierenden Kompetenzen bei der wirkungsorientierten Gestaltung von Maßnahmen und Strategien viel offensiver gesellschaftliche und politische Diskussions- und Entscheidungsprozesse einbringen?

Diese Fragen nach der Rolle von Evaluationen in Zeiten gesellschaftlichen Wandels werfen im Umkehrschluss Fragen nach dem Wandel der Evaluation selbst auf. Zweifelsfrei lässt sich in den vergangenen ca. fünf Jahrzehnten, in denen die Evaluation in unserer Gesellschaft als Instrument der evidenzbasierten Handlungssteuerung eingesetzt wird, vielerlei Veränderungen in der Selbst- und Fremdwahrnehmung unseres Tätigkeitsfelds erkennen. Diese gehen mitunter weit über manche konkreten Weiterentwicklungen z. B. methodischer Natur hinaus. Sie betreffen insbesondere uns wohlbekannte Spannungsfelder wie die zwischen Genauigkeit und Machbarkeit, Wissenschaft und Praxis, Routine und Innovation, Autonomie und Abhängigkeit oder Institutionalisierung und Professionalisierung.

Die 24. Jahrestagung der DeGEval – Gesellschaft für Evaluation e.V. trägt daher den Titel „Wandel durch Evaluation und Wandel der Evaluation“. Einreichungen zum Tagungsthema (es sind auch freie Einreichungen willkommen) können sich auf die folgenden Fragen und Themenstellungen beziehen:

  • Wandel durch Evaluation

    • Wie können Evaluationen und/oder die Evaluationsforschung nützliche und maßgebliche Beiträge leisten, um gesellschaftliche Umbruch- und Krisensituationen zu bewältigen?
    • Welche Potenziale und welche Grenzen haben Evaluationen, um Einfluss auf gesellschaftlichen Wandel zu nehmen?
    • Welche Voraussetzungen und Rahmenbedingungen haben sich als erfolgreich oder nicht erfolgreich erwiesen, um Evaluationen und ihren Ergebnissen mehr politischgesellschaftliche Durchsetzungskraft zu verleihen?
    • Inwieweit können und sollen Evaluationen und Evaluierende in gesellschaftlichen Wandlungs- oder politischen Entscheidungsprozessen Position beziehen? Wie ist dies mit dem Anspruch der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit vereinbar?
    • Wie müssen Empfehlungen formuliert sein, damit sie von den Auftraggebenden wahrgenommen und ggf. in eine Agenda aufgenommen werden?

  • Wandel der Evaluation

    • Wie haben sich Ziele, Rollen bzw. Durchführungen von Evaluationen und Anforderungen bzw. Erwartungen an die Evaluationen in der Vergangenheit geändert? Was waren dabei auslösende und treibende Faktoren?
    • In welcher Form und mit welchen Konsequenzen hat sich der politische und gesellschaftliche Stellenwert von Evaluationen verändert?
    • Inwieweit und mit welchen Konsequenzen finden in Evaluationen hegemoniale gesellschaftliche Diskurse (z. B. Neoliberalisierung, Ökologisierung) oder Megatrends ihren Niederschlag?
    • Wie gehen Evaluierende angesichts von Krisen und gesellschaftlicher Dynamisierung mit Nicht-Wissen und unsicheren Entscheidungskontexten um?
    • Inwieweit hat sich das Lernen aus Evaluationen in den letzten Jahren verändert?
    • Inwiefern können in Evaluationen – insbesondere bei schnellen und sehr dynamischen Vorhaben und Veränderungsprozessen – noch hinreichende Qualitätsstandards sichergestellt werden?
    • Wie haben sich in den vergangenen Jahren die Qualitätsanforderungen an Evaluationen und damit auch die Qualifikationsprofile der Evaluierenden geändert?

Zuletzt geändert: 27. Oktober 2020