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Call for Proposals

Machtwissen? Evaluation zwischen Evidenz und (Mikro-)Politik

25. Jahrestagung 2022 der DeGEval – Gesellschaft für Evaluation e. V.
vom 14. bis 16. September 2022 in Linz
Lokale Organisation: Pädagogische Hochschule Oberösterreich

 

Call for Proposals

Klassischen Leitbildern evidenzbasierter Politik zufolge soll die Rationalität politischer Diskussionen und Entscheidungen durch unabhängige Evidenz gesteigert werden (vgl. etwa https://www.leopoldina.org/themen/evidenzbasierte-politikgestaltung/). Im Idealfall wird eine solche Evidenz durch objektive und neutrale Evaluierende ermittelt, die das unter gegebenen Bedingungen besterreichbare Wissen über Effekte politischer oder anderer Maßnahmen professionell und kompetent zusammentragen.

Das ist oft leichter gesagt als getan, denn Evaluierende erleben häufig widersprüchliche Anforderungen. Diese beziehen sich einerseits auf wissenschaftliche Standards, nach denen die Qualität der Evidenz von Evaluationsergebnissen bewertet werden soll, und andererseits auf politische Zielvorgaben, die durch Interessen oder Werte geprägt werden. Die für Evaluation typische Verschränkung wissenschaftlich begründeter Evidenzproduktion mit politischen Handlungszielen kann hilfreiche oder problematische Auswirkungen haben: Politische Akteur*innen können die Bereitstellung von Evidenz stark unterstützen, indem sie etwa die Datenerhebung in schwierigen Feldern erleichtern. Sie können aber auch, und dies durchaus vor dem Hintergrund berechtigter Anliegen und Interessen, die empirische Suche nach Evidenz einschränken oder behindern. Dann sind schwierige und manchmal auch konflikthafte Aushandlungsprozesse zwischen Evaluierenden und Auftraggebenden um die ‚richtige‘ Lesart der Evaluationsergebnisse und das evaluationsbezogene Machtwissen vorprogrammiert.

Hinzu kommt, dass politisches Handeln häufig auf Kausalnarrativen beruht, die zwar oft allgemein akzeptiert und im Denken von Stakeholdern fest verankert sind, dennoch empirisch wenig geprüft und manchmal auch schwer prüfbar sind. Legen die Daten Schwächen solcher Kausalnarrative offen, kann die Zusammenarbeit zwischen den am Evaluationsprozess Beteiligten schwierig werden. Evidenz, die mit bedeutsamen Interessen und Werten von Stakeholdern in Konflikt gerät, kann Unmut oder mikropolitische Abwehrstrategien erzeugen. Evaluierende geraten dann in die schwierige Rolle der Überbringer*innen negativer Botschaften und, vor allem bei einer starken ökonomischen Abhängigkeit von einzelnen Auftraggebenden, in schwerwiegende Handlungsdilemmata.

Evaluation findet also immer in einem Kontext statt, der gekennzeichnet ist durch die Ausübung von „Macht“ (verstanden als „Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen (...) durchzusetzen“, wie Max Weber es formuliert hat): Evaluationsergebnisse können von Auftraggebenden als Machtquelle genutzt werden, etwa um das eigene Handeln zu legitimieren; Auftraggebende haben zudem die Macht, Lesarten der Evaluationsergebnisse (auch in Richtung auf eine selektive Wahrnehmung oder eindimensionale Bewertung) zu beeinflussen. Demgegenüber besteht die Macht von Evaluierenden darin, Evidenz, also wissenschaftlich geprüftes Wissen, zu produzieren und in einen politischen Prozess einzubringen.

Unter dem Titel „Machtwissen? Evaluation zwischen Evidenz und (Mikro-)Politik“ möchten wir bei der 25. Jahrestagung der DeGEval – Gesellschaft für Evaluation e.V. das Spannungsfeld zwischen werte- und interessenbezogenen politischen Handlungszielen einerseits und wissenschaftlich begründeter Evidenz andererseits ausleuchten. Hierbei möchten wir die Handlungszwänge und -probleme, die sich hieraus ergeben, sowie mögliche Lösungsstrategien diskutieren.

Wie bereits bei den letzten Jahrestagungen freuen wir uns sowohl über freie Einreichungen als auch über Beitragsvorschläge mit Bezug zum Tagungsthema. Im Rahmen unseres Tagungsthemas würden wir (gerne anhand von Beispielen aus der Evaluationspraxis, aber auch aus theoretischer Perspektive) die folgenden Fragen und Themenstellungen diskutieren:

  • Welche Chancen und welche Risiken ergeben sich für Evaluationsvorhaben aus der Verbindung zwischen politischen Handlungsfeldern einerseits und wissenschaftlich begründeter Evidenzproduktion andererseits?
  • Wie groß sind Spielräume von Evaluierenden, um auf politische Handlungsziele und Entscheidungen Einfluss zu nehmen?
  • Wie gestalten sich Aushandlungsprozesse zwischen Evaluierenden und Auftraggebenden über das im Rahmen von Evaluationen erzeugte (Macht-)Wissen?
  • Wie kann eine Balance gefunden werden zwischen der angemessenen Berücksichtigung von Werten und Interessen verschiedener Stakeholder und der Einhaltung wissenschaftlicher Gütekriterien und methodischer Standards?
  • Wo, wann und wie entstehen Konflikte zwischen werte- und interessengebundenen politischen Handlungszielen von Stakeholdern einerseits und einer an der sachlichen Ermittlung von Evidenz orientierten Evaluationspraxis?
  • Wie können Konflikte zwischen politischen Handlungszielen einerseits und Evaluationsergebnissen konstruktiv und produktiv aufgelöst werden?
  • Wie kann die Herstellung unabhängiger Evidenz auch bei politisch motivierten Versuchen der Einflussnahme gesichert werden?
  • Welche Möglichkeiten und methodische Ansätze existieren, um gleichermaßen valide und von verschiedenen Stakeholdern akzeptierte Ergebnisse zu produzieren?
  • Welche praktische Bedeutung hat die in Evaluationen gewonnene Evidenz? Wie wird in der Praxis mit Nicht-Evidenz umgegangen?


Wir laden Sie herzlich ein, an der Diskussion in Linz aktiv teilzunehmen und Ihren Beitrag auf der Jahrestagung vorzustellen. Sie können zu zwei Beitragskategorien einreichen, die im Programm entsprechend ausgewiesen sein werden:

  1. Einreichungen zum Tagungsthema beziehen sich auf Aspekte des oben umrissenen Themenbereichs ‚Machtwissen? Evaluation zwischen Evidenz und (Mikro-)Politik‘ und setzen sich mit ihnen wissenschaftlich, reflexiv oder praktisch und aus einer möglichst fach- und politikfeldübergreifenden Perspektive auseinander.
  2. Allgemeine Einreichungen: Explizit sind auch andere Beiträge mit Evaluationsbezug willkommen, die den Begutachtungskriterien genügen und die nicht direkt auf das Tagungsthema Bezug nehmen.


Die Beitragseinreichung wird ab dem 15. November 2021 über die Konferenzseite der DeGEval (www.conftool.com/degeval2022) möglich sein. Zur Wahl stehen folgende Beitragsformate in deutscher oder englischer Sprache:

  1. Blitzvortrag: In einem Blitzvortrag wird ein noch laufendes oder bereits abgeschlossenes Forschungs- oder Praxisprojekt mit seinen innovativen Aspekten oder neuartigen Fragestellungen auf möglichst allgemein verständliche Weise dargestellt. Eine Blitzvortragssession besteht aus zehn fünfminütigen Blitzvorträgen, an die sich je drei Minuten Fragen anschließen.
  2. Einzelvortrag: In Einzelvorträgen werden evaluationsrelevante Themen praktisch, reflexiv und/oder wissenschaftlich betrachtet. Bevorzugt werden hier Beiträge mit einem theoretischen, methodischen oder methodologischen Fokus oder zur Forschung über Evaluation. Wenn konkrete Evaluationsstudien oder -projekte vorgestellt werden, sollte der Schwerpunkt auf der auf Evaluationsebene liegen und die Gegenstandsebene nur soweit erforderlich thematisiert werden. Für den Vortrag stehen üblicherweise 20 Minuten und 10 Minuten Diskussionszeit zur Verfügung. Einzelvorträge werden zu thematischen Sessions zusammengestellt (max. 3 Vorträge pro Session).
  3. Komplette Session: Komplette Sessions (90 Minuten) können als Vortragssession, als Podiumsdiskussion, Workshop oder in anderer Form konzipiert sein. Abstracts umfassen hier die Beschreibung der geplanten Session sowie aller beteiligten Beiträge und Personen (Sessions mit „NN“-Beteiligung werden in der Regel nicht akzeptiert). Bei einer Vortragssession sind kurze Inhaltsangaben der einzelnen Vorträge mit einzureichen sowie die Beteiligten bei Diskussionspanels inkl. Moderation zu benennen. Bitte reichen Sie diese dann gesammelt als einzelne Einreichung ein. Da politikfeldspezifische Sessions in der Regel bereits von den jeweiligen Arbeitskreisen der DeGEval gestaltet werden, zu denen teils eigene Calls erfolgen, werden Sessions bevorzugt, die eine klar politikfeldübergreifende Perspektive aufweisen.
  4. Poster: Poster präsentieren entweder innovative Evaluationsvorhaben oder Forschungsarbeiten zu Fragestellungen, welche empirisch, konzeptionell, theoretisch oder methodisch behandelt werden. Es wird eine Posterführung bzw. eine moderierte Postersession stattfinden.


Bitte reichen Sie Ihr Abstract mit max. 2.500 Zeichen inklusive Leerzeichen (für komplette Sessions mit max. 5.000 Zeichen) bis zum 6. März 2022 über unsere Konferenzhomepage (www.conftool.com/degeval2022) ein und beachten Sie bitte dort die Hinweise zur Einreichung. Alle Beiträge werden in einem anonymen Review-Verfahren begutachtet. Folgende Kriterien werden beim Entscheid über Einreichungen primär herangezogen:

  1. Inhaltliche und methodische Qualität
  2. Nachvollziehbarkeit des Abstracts (Problemstellung, Vorgehen, Hauptargumente, Evaluationsfokus, fachspezifische Aktualität)
  3. Innovationsgehalt
  4. politikfeldübergreifende Perspektive
  5. Bezug zum Tagungsthema (nur bei Beitragskategorie 1)


Sie werden bis zum 31. Mai 2022 über die Beitragsannahme informiert. Nähere Informationen zur Tagung finden Sie unter https://www.degeval.org/veranstaltungen/jahrestagungen/linz-2022/.

Kontakt:
DeGEval - Gesellschaft für Evaluation e. V.
Wilhelm-Theodor-Römheld-Straße 20
55130 Mainz
Tel. +49 (0) 6131 / 2173887
Mobil: +49 (0) 152 56123078
E-Mail: info@degeval.org
https://www.degeval.org/

 


Den Call for Proposals können Sie sich hier als PDF herunterladen. (PDF)

Weitere Informationen zur Beitragseinreichung finden Sie hier.

Zuletzt geändert: 03. November 2021