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Aktuelles

Evaluation deradikalisierender Maßnahmen. Wirkungen der Prävention gegen gewaltbereiten Extremismus bestimmen.

Zusammenfassung der Inhalte der Frühjahrstagung 2018 des AK Soziale Dienstleistungen und dem KPEBW am 19. / 20. April 2018

Dr. Andreas Armborst (NZK), Dr. Maria Walsh (NZK): Evidenzbasierte Extremismusprävention

Die Bundesregierung tritt laut Koalitionsvertrag für eine evidenzbasierte Kriminalprävention ein, bei der „Evidenzen sowohl bei der Erarbeitung von Gesetzentwürfen als auch bei deren Evaluation berücksichtigt werden“. Auch die Prävention extremistisch motivierter Gewalt ist zunehmend der Forderung ausgesetzt, ihre Wirksamkeit und Effekte anhand von Evaluation nachvollziehbar zu belegen.
Der Vortrag stellte das Nationale Zentrum Kriminalprävention und insbesondere das Internetportal WESPE vor, skizziert die Merkmale und Abläufe evidenzbasierter Kriminalprävention und diskutiert deren Implikationen für den speziellen Bereich der Extremismusprävention.
Zur Illustration wurde ein laufendes Evaluationsprojekt vorgestellt, bei der die Wirkung einer schulbasierten Primärpräventionsmaßnahme durch einen Aussteiger aus dem Bereich Rechtsextremismus untersucht wird.

Dr. Andreas Armborst ist Leiter des Nationalen Zentrums Kriminalprävention (NZK). Seine Schwerpunkte liegen auf der Kriminologie, Methoden der empirischen Sozialforschung, dem Dschihadismus, Salafismus und der islamistischen Ideologie sowie der Sicherheitsforschung.
Dr. Maria Walsh ist stellvertretende Leiterin des NZK. Ihre Schwerpunkte liegen auf der Jugendkriminalität, dem Jugendstrafvollzug, der Bewährungshilfe, der kriminologischen Lebenslaufforschung sowie Methoden empirischer Sozialforschung.

 

Dr. Christian Lüders (DJI): Evaluation von Modellprojekten zur Deradikalisierung. Erfahrungen aus den Bundesprogrammen

Zum Verständnis der Programmevaluation z. B. von „Demokratie leben!“ stellt der Beitrag zunächst die Vorgeschichte, den Aufbau, die Teilprojekte und die Förderlogik des Programms vor. Aufgrund der zeitlich begrenzten Förderung und des Entwicklungs- und Erprobungscharakters spielen Leitfragen bei der Evaluation der Gesamtarchitektur des Bundesprogramms eine wichtige Rolle. Die Evaluation der Programmbereiche startet meist mit der Rekonstruktion der Programmtheorie, z. B. als logisches Modell, um sich darüber über Wirkungs- und Zielerreichungsfragen zu befassen. Die Vielschichtigkeit und Komplexität des Programms, seiner Bestandteile und der Einzelprojekte ergibt spezifische Probleme und zugeschnittene Ansätze der Evaluation. Wirkungen des Förderprogramms ergeben sich auf unterschiedlichen Ebenen, die im Beitrag vorgestellt werden.

Dr. Christian Lüders ist Leiter der Abteilung Jugend und Jugendhilfe des Deutschen Jugendinstituts. Seine Schwerpunkte liegen auf der Kinder- und Jugendhilfeforschung, Sozialpädagogik, qualitativen Sozialforschung und der Evaluationsforschung.

 

Prof. Dr. Kurt Möller (HS ES): Wirkungsanalysen im Rahmen formativer Projektevaluation?
Möglichkeiten und Grenzen wirkungsbezogener Untersuchungen

Der Beitrag stellt vor dem Erfahrungshintergrund von selbst durchgeführten Studien im Bereich der Extremismusprävention vor, wie und inwieweit wissenschaftliche Evaluationen von themenbezogenen Projekten gewinnbringend erfolgen können, welcher Nutzen aus ihnen für wen zu ziehen ist und welche Rolle dabei die Identifizierung von Wirkungszusammenhängen spielt.
Diesbezüglich geht der Beitrag auf ein formatives Evaluationsverständnis ein, beschreibt Radikalisierung als Prozess und beleuchtet die Voraussetzungen für deradikalisierende Maßnahmen. Die Evaluation deradikalisierender Maßnahmen wird vor allem im Sinne des Lernens und der Entwicklung der Projekte verstanden. Aus der Identifikation von Wirkungsweisen und Schwierigkeiten kann sich ein vielschichtiger Verstehensprozess ergeben, der zu einer kommunikativen Entwicklung zum beiderseitigen Nutzen führt. Nicht die Dissemination einmal gesicherten Wissens, sondern die gestaltungsorientierte Transformation als Ziel der Evaluation steht im Vordergrund.

Prof. Dr. phil. habil. Kurt Möller ist Lehrstuhlinhaber zu Theorien und Konzepten Sozialer Arbeit, Jugendarbeit, Jugendpolitik, Kultur- und Bildungsarbeit an der Hochschule Esslingen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Gewalt, Rechtsextremismus, Fremden- und Menschenfeindlichkeit, der männlichen Sozialisation, Jungen- bzw. Männerarbeit, der politische Sozialisation sowie Jugendkulturen.

Podiumsdiskussion mit den Referenten (Leitung: Dr. Rainer Strobl, ProVal Hannover / DeGEval)

Die Podiumsdiskussion verdeutlichte Unterschiedliches und Verbindendes der drei Inputvorträge. Die Diskussion orientierte sich einerseits an den Standards der DeGEval bzw. an Fragen der Programmsteuerung (z. B. evidenzbasierte oder –orientierte Praxis) und ging auf Fragen der Teilnehmenden ein.

 


20. April 2018 (Flyer)

Der zweite Tagungstag beginnt mit drei Workshops. Diese sind durch Kurzbeiträge strukturiert, die als Input für die weitere Diskussion dienen.

 

Workshop 1: Präventionsprojekte

Maria Kamenowski (Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften): Evaluation von Pilotprojekten zu Gegennarrativen und alternativen Narrativen zur Prävention von Radikalisierung im Netz (Schweiz)

Das Schweizer Bundesamt für Sozialversicherungen hat vier Projekte ausgewählt, in denen Gegennarrative bzw. alternative Narrative zur Prävention von Radikalisierung im Netz, die zu gewalttätigem Extremismus führt, erarbeitet werden sollen. Die Projekte zeichnen sich dadurch aus, dass partizipativ mit den Jugendlichen bzw. junge Erwachsenen Narrative ausgearbeitet werden. Für die Untersuchung der Projektprozesse wie auch der Wirkung der Narrative wurden sieben Module entwickelt, anhand derer die Projekte evaluiert werden. Die methodischen Module wie auch die Herausforderungen der Evaluation werden im Fokus des Vortrages stehen.

Josephina Schmidt (IPES), Athanasios Tsirikiotis (IPES); Formative Evaluation des Präventionsprogramms "ACHTUNG?!" - Qualitative Methoden und Zielentwicklung

Der Beitrag stellt die formative Evaluation des Präventionsprogramms „ACHTUNG?!“ des Polizeipräsidiums Ludwigsburg vor, das mit mehreren durch unterschiedliche Akteure gestaltete Module, einen Beitrag zur Radikalisierungsprävention leistet. Bei der formativen Evaluation kam der Zielfindung eine zentrale Rolle zu. Hieran sollen die unterschiedlichen Perspektiven der Stakeholder des Projekts veranschaulicht werden.

 

Workshop 2: Aussteigerprogramme für Rechtsextremist*innen

Florian Neuscheler (Hochschule Esslingen): Evaluation des Aussteigerprogramms EXTRA

Das beim Landesamt für Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt angesiedelte Aussteigerprogramm für Rechtsextremisten wurde durch die Hochschule Esslingen im ersten Schritt formativ evaluiert. Aktuell findet der zweite, summative Evaluationsschritt statt. Der Referent berichtet über methodische Herausforderungen und die Lösungsansätze dieses Evaluationsprojekts.
(Der Beitrag musste krankheitsbedingt leider kurzfristig entfallen)

Dr. Frank Greuel (DJI, Halle), Frank König (DJI, Halle): „doing Ausstieg“ – Gegenstandskonstruktionen in der Ausstiegsarbeit und die Rolle von Evaluation

Das Ziel von Ausstiegsangeboten scheint klar: Personen bei ihrem Ausstieg zu unterstützen und so viele wie möglich zum Ausstieg zu bewegen. Jede Aussteigerin und jeder Aussteiger gelten damit als Projekterfolg. Die genaue Bestimmung des Ziels „Ausstieg“ erweist sich in der Praxis jedoch als überaus schwierig und unterschiedet sich zwischen den verschiedenen Angeboten. Während teilweise bereits das Lösen von problematischen Szenezugehörigkeiten als Ausstieg gilt und als (abschließender) Erfolg gewertet wird, gelten in anderen Angeboten erst die dauerhafte Abkehr von der Szene und demokratische Haltungen als Ende eines gelingenden Unterstützungsprozesses. Im Workshop soll diskutiert werden, wie Evaluation im Feld der Deradikalisierung mit den zugrundeliegenden verschiedenen Gegenstandskonstruktionen umgehen und Erfolgskriterien verbindlich formulieren kann.

 

Workshop 3: Evaluation von Programmen

Verena Fiebig (KPEBW): Strukturelle Qualitätsstandards als Ausgangspunkt der Bewertung von Deradikalisierungsprogrammen

Programme zur Deradikalisierung und Extremismusprävention haben in den letzten Jahren einen festen Platz in vielen nationalen und internationalen Strategien zur Terrorismusbekämpfung gefunden. Doch die Frage, wie sich der Erfolg und die Qualität von Deradikalisierungsprogrammen einschätzen lässt, ist bisher weitestgehend offen. Wissenschaftler kritisieren seit Jahren die mangelhafte konzeptionelle Klarheit und massive Intransparenz der überwiegenden Mehrheit dieser Programme, obwohl der grundsätzliche Wert der Deradikalisierung nicht bestritten wird.
Mit den strukturellen Qualitätsstandards in der Interventions- und Präventionsarbeit gegen gewaltbereiten Extremismus wird eine erste Grundlage für die strukturellen Mindestanforderungen für Programme, Träger und Initiativen vorgeschlagen, welche als Leitfaden für eine mehrstufige Evaluation und Qualitätssicherung der Extremismusprävention fungieren können. Neben der Vorstellung der strukturellen Qualitätsstandards werden die Chancen und Grenzen dieser Evaluationsmethode diskutiert.

 

Fishbowl-Diskussion (Leitung: Edith Halves, HAW Hamburg)

Die abschließende Diskussion dient einerseits der Darstellung der Workshopergebnisse und soll andererseits einen abschließenden Diskussionsraum bieten, die Erträge der Tagung und Überträge in die Praxis zu bestimmen.

Teilnehmer*innen-Liste der Tagung

Zuletzt geändert: 21. Juni 2018

Frühjahrstagung 2018: Evaluation deradikalisierender Maßnahmen. Wirkungen der Prävention gegen gewaltbereiten Extremismus bestimmen.

19. / 20. April 2018 in Stuttgart - in Kooperation mit dem KPEBW

Die Fragestellung, wie Wirkungen im Bereich der Prävention allgemein und im Bereich der Extremismusdistanzierung oder Deradikalisierung methodisch zu fassen sind, umfasst auf den ersten Blick widersprüchliche Ansätze. Während einerseits rigorose Verfahren und Metaevaluationen zur Wirkungsmessung als geeignet gelten, sind für viele Programme und Projekte eher formative und Selbstevaluationen erreichbar. Ist dies „besser als nichts“ oder ein untauglicher Versuch?

„Deradikalisierende Maßnahmen“ sind zudem ein komplexes Handlungsfeld – alleine die verwendeten Begriffe sind in der Lage, Diskussionen auszulösen. Bei der Zieldefinition kommen mehrere Dimensionen in Betracht: die Zielgruppenerreichung, die reduzierte Rückfallquote, die Distanzierung aus einschlägigen Kontexten oder gar der Einstellungswandel, dessen Messung weitere methodische Fragen aufwirft.

Einigkeit besteht in der Defizitbeschreibung: bislang gab es zu wenige (veröffentlichte) Studien. Die Verbindungen zwischen „großen“ Programm- und „kleinen“ Projekt-Evaluationen wird als mangelhaft beschrieben. Der Austausch über Evaluationen auf dem Weg zu einer konstruktiven Fehlerkultur und zu gegenseitigem Lernen scheint verbesserungswürdig.

Die Tagung will im Handlungsfeld tätige Evaluatorinnen und Evaluatoren sowie Programmverantwortliche zusammenführen und Möglichkeiten ausloten, mithilfe von evaluativen Verfahren zu größerer Wirkung und Effizienz in der Prävention und Intervention von Radikalisierungen zu gelangen. Hierbei sollen Lösungswege aufgezeigt, übertragbare methodische Zugänge gesucht, Forschungslücken umrissen und die weitere Diskussion angestoßen werden.

Das Programm lässt sich dem Flyer (PDF) entnehmen. Weitere Informationen sind über das KPEBW verfügbar. Anmeldungen sind über das Online-Formular bis zum 23. März 2018 möglich.

Zuletzt geändert: 13. März 2018

Protokoll der Sitzung des AK SDL vom 21.09.2017

Früh am 21.09.2017 traf sich der AK Soziale Dienstleistungen zu seiner Sitzung anlässlich der 20. Jahrestagung in Mainz. Das Protokoll ist hier eingestellt.

Zuletzt geändert: 10. Dezember 2017

Darstellung des AKs in der ZfEv veröffentlicht

In der Ausgabe 2/2017 ist eine Darstellung des AK unter dem Titel "Evaluation sozialer Dienstleistungen. Kurzbericht aus dem AK Soziale Dienstleistungen über die Entwicklungen in diesem Feld sowie die Rolle der DeGEval" veröffentlicht (Link auf die Verlagsseite)

Zuletzt geändert: 19. Februar 2018

Poster des AK Soziale Dienstleistungen aktualisiert

Anlässlich der 20. Jahrestagung der DeGEval wurde das AK-Poster aktualisiert.

Zuletzt geändert: 19. Februar 2018

 

Dr. Rainer Strobl

proVal, Gesellschaft für sozialwissenschaftliche Analyse - Beratung - Evaluation, Hannover
Tel.: 0511/712 94-20
strobl(a)proval-services.net 

Stefanie Reiter

Deutsches Jugendinstitut, Halle
Tel.: 0345/68 178-75
sreiter(a)dji.de

Frank Buchheit

Landeskriminalamt BW, Stuttgart
Tel.: 0711/5401-34 59
buchheit(a)posteo.de