08.02.2010  (degeval)  [0 Kommentare]

Evaluation und Gesellschaft - Positionspapier 02 der DeGEval


1. Welche Relevanz und Funktion hat Evaluation für die Gesellschaft?


Evaluation leistet einen substanziellen Beitrag zur Bewertung von Projekten, Programmen und Organisationen. Ein zentrales Anwendungsfeld von Evaluation sind (politisch initiierte) öffentliche Programme. Somit steht die Bewertung ‚öffentlichen‘ Handelns im Vordergrund. Waren es zunächst Programme im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich, so hat sich das Anwendungsspektrum von Evaluation mittlerweile auf alle Bereiche öffentlichen Handelns ausgeweitet. Mit zunehmender Autonomie und Selbststeuerung politischer Teilbereiche und Organisationen (wie z.B. Universitäten) wächst die Legitimationspflicht gegenüber politischen Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit. Die Aufgabe von Evaluation ist es dabei, Wirkungen politischer und administrativer Entscheidungen zu überprüfen und fundierte, sachliche Informationen zu öffentlichen und politischen Debatten bereitzustellen. Evaluation hat in diesem Sinne eine aufklärerische Funktion und ermöglicht eine wissensbasierte Entscheidungsfindung. Evaluation dient zudem der Legitimation und Transparenz innerhalb einer Organisation. Sie unterstützt Prozesse der Qualitätssicherung und -entwicklung und soll Organisationen in ihren Lernprozessen fördern.


2. Wie viel Evaluation braucht die Gesellschaft?


Einer langen Tradition von Evaluation öffentlicher Programme in den Vereinigten Staaten steht eine vergleichsweise kurze europäische Geschichte der Evaluation gegenüber. Bewertungsverfahren werden in Europa mittlerweile in vielen Feldern gesellschaftspolitischen Handelns regelmäßig eingesetzt. Sie entsprechen jedoch oft nur eingeschränkt professionellen Standards der Evaluation und sind häufig unterfinanziert. Sollen Evaluationen jedoch für die Ausrichtung künftiger Politik wissensbasierte Hinweise liefern, so müssen sie professionell durchgeführt und adäquat finanziert werden. Dabei gilt es, die Befunde bereits durchgeführter Evaluationen stärker zu nutzen sowie den Fokus zukünftiger Evaluationen vermehrt auf die nachhaltige Wirkung von Maßnahmen und Programmen für die Gesellschaft zu richten. Im Fokus steht nicht die Quantität von Evaluationen, sondern deren Relevanz und Beitrag zum Erkenntnisgewinn.

3. Soll Evaluation gesellschaftspolitisch Position beziehen?

Evaluation ist nicht bloßes Messen, sondern stets auch Bewerten. Evaluationen sollen daher unterschiedliche und gegenläufige Wertpositionen möglichst unparteiisch berücksichtigen und die zugrundeliegenden Bewertungskriterien explizit und transparent machen. Eine so verstandene Evaluationspraxis kann aufklären, unterstützen und Vertrauen fördern. Evaluation bezieht somit in aller Regel nicht selbst eine gesellschaftspolitische Position, sondern macht vielmehr unterschiedliche Wertpositionen sichtbar.


4. Wie können Evaluationsergebnisse Eingang in die gesellschaftliche Praxis finden?


Evaluation kann zur Transparenz gesellschaftspolitischer Prozesse und damit zum Dialog beitragen. Beteiligung gesellschaftlicher Akteure im Prozess der Evaluation sowie Klarheit in der Berichterstattung fördern den Nutzen von Evaluationen. Nicht nur positive Ergebnisse von Evaluationen zählen, auch das ‚Scheitern‘ eines Programmes stellt eine wichtige Erkenntnis dar und ist hilfreich für die weitere gesellschaftliche Entwicklung. Inwieweit Evaluationsergebnisse in politische Prozesse eingehen und damit Wirkung erzielen, hängt wesentlich von den Auftraggebenden und politischen Entscheidungsträgern ab. Dies setzt voraus, dass Politik und Praxis bereit sind, aus Evaluationsergebnissen zu lernen. Gleichzeitig sollte die Öffentlichkeit daran interessiert sein, Evaluation als Maßnahme zur öffentlichen Rechenschaftslegung einzufordern.

Die DeGEval – Gesellschaft für Evaluation hat zur Unterstützung professioneller und relevanter Evaluation Standards für Evaluation, Empfehlungen für Auftraggebende sowie zur Aus- und Weiterbildung in Evaluation veröffentlicht.

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